Krankenhausmanagement im Klinikverbund:
Warum Einzelhäuser das Rennen um Personal,
Digitalisierung und Ökonomie verlieren
10.000 Mitarbeiter, eine Milliarde Umsatz, 150.000 stationäre Patienten – die RKH Gesundheit zeigt, wie modernes Krankenhausmanagement heute funktioniert. Warum der Klinikverbund unter dem Druck von KHAG 2026 und Fachkräftemangel keine Option mehr ist, sondern eine Entscheidung – mit den harten Praxis-Insights aus dem Podcast mit Prof. Dr. Jörg Martin.
Frank Bauernfeind · 15. August 2026 In einem Krankenhausmarkt, der sich unter dem KHAG 2026, dem GKV-Sparpaket und dem strukturellen Personalmangel dramatisch neu sortiert, wird eine strategische Frage für Aufsichtsräte und kommunale Träger zur Existenzfrage: Bleibt das eigene Haus ein eigenständiger Einzelkämpfer – oder wird es Teil eines strategisch gesteuerten Klinikverbunds? Die Antwort liefert ein Blick auf ein Haus, das genau diese Transformation seit Jahren vorlebt: die RKH Gesundheit, mit rund 10.000 Mitarbeitern, über einer Milliarde Umsatz und 150.000 stationären Patienten pro Jahr der wohl beeindruckendste Beleg dafür, dass modernes krankenhausmanagement klinikverbund-basiert gedacht werden muss. Prof. Dr. Jörg Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung, erklärt im zweiten Teil unseres Podcasts, warum Einzelhäuser das Rennen um Personal, Digitalisierung und ökonomische Steuerung verlieren – und was Verbundstrukturen operativ leisten können.
Prof. Dr. Jörg Martin
- Vorsitzender der Geschäftsführung, RKH Gesundheit
- Facharzt für Anästhesiologie, Jahrgang 1957
- Gestartet als Oberarzt und Intensivmediziner, später ärztlicher Geschäftsführer Klinik am Eichert (Göppingen)
Prof. Martin verkörpert exakt den Typus des Arzt-Managers, der in großen Verbünden heute wieder verstärkt gefragt ist: klinisch tief verwurzelt, betriebswirtschaftlich versiert und mit der Fähigkeit, auf Augenhöhe zwischen Ärzteschaft und kaufmännischer Steuerung zu übersetzen.
1. Der Klinikverbund als strukturelle Antwort auf den Konsolidierungsdruck
Die Zahlen der RKH sind der eigentliche Aufhänger dieses Gesprächs, weil sie eine strategische Größenordnung markieren, die einzelne kommunale Häuser nicht mehr erreichen können. Der Verbund umfasst drei Landkreise – Ludwigsburg, Enzkreis und Karlsruhe – zusammengeschlossen unter dem Dach einer Holding, in der die Landkreise jeweils 49 Prozent und die RKH-Holding 51 Prozent der jeweiligen Klinikgesellschaften hält. Über einen Managementvertrag ist zusätzlich Reutlingen angebunden.
Damit erreicht die RKH eine Skalierung, die im Vergleich Universitätskliniken übertrifft: über 10.000 Mitarbeiter mit Reutlingen, mehr als eine Milliarde Euro Gesamtumsatz, rund 150.000 stationäre Patienten pro Jahr, dazu 400.000 bis 500.000 ambulante Behandlungen. Der eigentliche strategische Charme liegt aber nicht in der Größe an sich, sondern in dem, was sie ermöglicht:
„Der Charme des Systems ist eben, dass man wirklich Medizin über Landkreisgrenzen hinweg planen kann. Aber muss man ja auch sagen, wir haben auch inzwischen mit Reutlingen zusammen drei Krankenhäuser schließen müssen."
— Prof. Dr. Jörg Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung, RKH Gesundheit
Dieses Zitat trägt die eigentliche Botschaft: Verbundmanagement heißt nicht nur Konsolidierung von Verwaltung und Einkauf. Es heißt vor allem die Fähigkeit, medizinische Leistungsportfolios strategisch über Standorte hinweg zu verteilen – inklusive der Bereitschaft, einzelne Standorte zu schließen, wenn die Versorgungslogik es erfordert. Genau diese Entscheidungen sind für Einzelhäuser politisch kaum durchsetzbar und lassen sich nur in einer übergeordneten Verbundstruktur überhaupt treffen. Das gilt umso mehr in einem Marktumfeld, in dem das KHAG 2026 die strukturellen Anpassungen weiter beschleunigt.
Der strategische Kern: Ein Verbund schafft die politische und ökonomische Handlungsfähigkeit, die einem Einzelhaus im heutigen Marktumfeld systematisch fehlt. Er ermöglicht Portfolio-Entscheidungen, die auf einzelner Ebene an lokaler Politik scheitern würden.
2. Der Arzt-Manager an der Spitze: Warum Führung im Verbund medizinische Sprache spricht
Eine der interessantesten Passagen des Gesprächs betrifft die Frage, welches Führungsprofil eine Klinikholding dieser Größe eigentlich braucht. In vielen Häusern werden Geschäftsführerpositionen inzwischen mit Absolventen der Gesundheitsökonomie besetzt – Master-Abschluss, konsequente Managementorientierung, keine ärztliche Vorbildung. Prof. Martin bewertet diese Entwicklung differenziert, positioniert sich aber klar:
„Gerade in so einem großen Klinikverbund, wie wir sind, denke ich, gehört ein Arzt an die Spitze. Und zwar ein Arzt, der auch wirklich Berufserfahrung hat, mindestens Facharzt ist, damit er ja immer weiß, wie funktioniert Krankenhaus, aber auch in den Gesprächen mit den Chefärzten durchaus dagegenhalten kann."
— Prof. Dr. Jörg Martin
Das ist keine ideologische Positionierung, sondern eine operative. Wer eine Chefarztrunde moderiert, in der komplexe Fragen zu Leistungsgruppen, DRG-Positionierung und medizinischer Portfoliobereinigung diskutiert werden, braucht die Fähigkeit, medizinische Argumente zu bewerten – nicht sie an einen Berater zu delegieren. Genau diese Übersetzungsfähigkeit zwischen Medizin und Ökonomie ist in Krisenphasen der entscheidende Führungsvorteil.
Interessant ist auch Martins Blick auf den umgekehrten Fall – den Chefarzt mit MBA:
„Die meisten Chefarztbewerbungen, die ich bekomme, die haben einen MBA. Ich bin da ein bisschen kritisch und muss sagen: Also wenn ich dann was vom Chefarzt vorgerechnet bekomme, gebe ich das meinen Finanzfachleuten und die können es einfach besser."
— Prof. Dr. Jörg Martin
Das ist ein präziser Hinweis auf einen häufigen Bewerbungsfehler: MBA als Signaling. Aus Sicht eines Executive Search im Krankenhaus ist die Konsequenz eindeutig: Nicht Zusatzqualifikationen entscheiden über die Passung eines Chefarztes für die Klinikleitung, sondern die tatsächliche Führungspersönlichkeit und die Fähigkeit, im medizinisch-ökonomischen Spannungsfeld zu navigieren. Persönlichkeitsdimensionen wie Ethik-Kompetenz – Martin nennt einen Bewerber mit Zusatzqualifikation in Wirtschaftsethik als positives Beispiel – wiegen dabei oft schwerer als eine weitere Managementzertifizierung. Genau hier setzt eine strukturierte Potenzialdiagnostik im Besetzungsverfahren an: Sie prüft die tatsächliche Führungskompetenz statt nur die formale Qualifikation.
Wer heute Führungspositionen im Verbund besetzt, sollte diese Erkenntnis in die Suchpraxis übertragen. Wer weiterhin mit Suchmustern aus den 90er-Jahren arbeitet und nur nach formalen Kriterien filtert, verpasst die eigentliche Frage: Kann diese Person in einer Chefarztrunde bestehen?
3. Personalstrategie im Verbund: Wenn die Lohnspirale keine Antwort mehr ist
Die zweite strukturelle Stärke eines Verbunds zeigt sich in der Personalstrategie. Prof. Martin benennt den Fachkräftemangel als die entscheidende Herausforderung der nächsten Jahre – aber er weigert sich, die Antwort in immer höheren Gehältern zu suchen:
„Man kann die Lohnspirale immer höher drehen, wie das jetzt hier im Großraum Stuttgart passiert. Einer zahlt mehr, dann zahlt der Nächste noch mehr. Ich glaube, das wird nicht der Weg sein. Der Weg wird tatsächlich sein: Wie bekomme ich das hin, dass die Mitarbeiter in der Pflege zum einen Beruf und Privatleben gut kombinieren können, zum anderen aber auch eine hohe Befriedigung bei ihrer Arbeit bekommen, möglichst viel selbstbestimmt machen können und in einem guten Team zu arbeiten."
— Prof. Dr. Jörg Martin
Das ist eine strategische Grundsatzentscheidung, die sich nur in einem Verbund konsequent umsetzen lässt. Denn sie erfordert Investitionen in Führungskultur, Weiterbildung und Prozessgestaltung, die einzelne Häuser weder finanzieren noch koordinieren können. Der RKH-Ansatz ist dabei bemerkenswert konkret:
Akademisierung der Pflege
Kooperation mit der Paracelsus-Privatuniversität Salzburg – dem einzigen deutschsprachigen Anbieter mit eigenem Lehrstuhl inklusive Habilitationsmöglichkeit. Ziel: 10 bis 20 Prozent akademisierte Pflegekräfte nach kanadisch-irischem Vorbild (Advanced Nurse Practitioners), die am Bett bleiben statt bettflüchtig zu werden.
Multiprofessionelle Stationsteams
Die Logik der Intensivstation wird auf die Normalstation übertragen: Arzt, Pflege und Therapeuten entscheiden gemeinsam über die Behandlung. Das erhöht die Selbstbestimmung – und laut Maslow-Pyramide ist genau das der wirksamste Bindungsfaktor.
Geschickte Dienstplanmodelle
Anpassung an die Lebensrealität der neuen Ärztegeneration – wochenweise wechselnde Sektionsleitungen, Teilzeitmodelle in Führungspositionen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie als struktureller Standortfaktor, nicht als HR-Kür.
Diese Verschiebung passt zum tiefergehenden Wandel der ärztlichen Anspruchshaltung, den Prof. Martin unverblümt benennt: Assistenzärzte, die ihr Curriculum tagesgenau einfordern; Führungskräfte, die Helikoptertransporte zwischen Klinikstandorten verlangen; eine Sektionsleitung Neuroradiologie, die von zwei Ärzten wochenweise im Wechsel besetzt werden soll. Wer als Klinik im Rennen bleiben will, muss die Erwartungshaltung dieser Generation nicht nur akzeptieren, sondern operativ übersetzen. Der Zusammenhang ist offensichtlich: In einem New-Work-geprägten Klinikmarkt gewinnt der Verbund, der flexible Karrieremodelle strukturell anbieten kann – nicht das Einzelhaus, das jede Anfrage einzeln aushandeln muss.
Auch der zweite Blickwinkel Martins ist strategisch wertvoll: Deutschland hat pro 100.000 Einwohner nicht zu wenig Pflegepersonal, sondern zu viele Krankenhäuser. Der Verbund ist die Antwort auf diese Kernfrage – nicht die Erhöhung der Personalquote in jedem einzelnen Haus. Wer das nicht anerkennt, kämpft gegen einen Fachkräftemangel, der in Wahrheit ein Strukturmangel ist.
4. Digitalisierung als Verbundstärke: Was ein Einzelhaus nicht mehr leisten kann
Der dritte strategische Vorteil des Verbunds zeigt sich in der Digitalisierung – und hier wird die Diskrepanz zum Einzelhaus am deutlichsten. Die RKH hat aus dem Krankenhauszukunftsgesetz allein für den Kernverbund 26 Millionen Euro Förderung erhalten, dazu weitere 8 Millionen für Reutlingen. Insgesamt 34 Millionen Euro IT-Ertüchtigung in drei Jahren – eine Summe, die einzelne Häuser weder investieren noch operativ steuern könnten.
Was mit dieser Summe tatsächlich passiert, ist der eigentliche Erkenntnisgewinn des Gesprächs. Denn Digitalisierung im Verbund ist nicht die Abbildung bestehender Papierprozesse in elektronischer Form – sie ist die grundlegende Prozessreorganisation über Standortgrenzen hinweg. Prof. Martin nennt konkrete Projekte:
Intensivmedizinisches Telemedizin-Netzwerk mit 70 Kliniken. Expertenwissen zentraler Häuser wird in die Fläche gebracht – Verlegungsfragen, ECMO-Indikationen und Behandlungsentscheidungen können konsiliarisch geklärt werden, bevor ein Patient bewegt wird.
RKH-Care-Portal für Notaufnahme-Triage. Patienten geben von zu Hause aus Symptome ein, werden durch 20 bis 25 Fragen geführt und erhalten Diagnosevorschläge. „Das Wartezimmer wird ins Wohnzimmer verlagert."
Spracherkennung KI-gestützt, holdingweit ausgerollt. Eine teure Einzelinvestition, die im Verbund über alle Standorte skaliert und amortisiert werden kann.
Krankenhausdrohnen für Laborproben. Kooperation mit German Copters und Helios: Spezialproben und PCR-Tests werden zwischen Ludwigsburg, Bruchsal und weiteren Standorten geflogen – während der Regelverkehr zwei bis drei Stunden brauchen würde.
iPads statt Fernseher im neuen Krankenhaus Bretten. Essen bestellen, Zeitung lesen, Fernsehen, Radio, Spiele – plus die entstehende RKH-Gesundheits-App für elektronisches Einchecken und Nachsorgetermine.
Der strategische Zusammenhang wird an dieser Aufzählung besonders deutlich: Jedes einzelne dieser Projekte wäre für ein Einzelhaus wirtschaftlich nicht darstellbar. Im Verbund amortisieren sie sich über die Standorte – und generieren zusätzlich Marktvorteile, die weit über die IT hinauswirken. Der neue Klinikbau in Bretten ohne Fernseher ist dabei mehr als eine Anekdote: Es ist der Beleg dafür, dass Verbundmanagement die Kraft hat, gegen etablierte Erwartungshaltungen (der Oberbürgermeister rief an und forderte Fernseher!) auch unpopuläre Innovationen durchzuziehen.
„Digitalisierung bedeutet nicht einfach den Prozess, den man mit Papier hatte, nur digital abzubilden, sondern da können Sie ganze große Prozessreorganisationen mit durchführen."
— Prof. Dr. Jörg Martin
5. Vom Klinikbetreiber zum Gesundheitsanbieter: Was der Rebrand zu RKH-Gesundheit strategisch bedeutet
Der wohl unterschätzteste strategische Schachzug des Verbunds ist der Rebrand von RKH-Kliniken zu RKH-Gesundheit. Was auf den ersten Blick wie eine Markenkosmetik aussieht, ist tatsächlich eine strategische Neuausrichtung des Geschäftsmodells: weg vom klassischen Klinikbetreiber, hin zum ganzheitlichen Gesundheitsanbieter.
Prof. Martin benennt vier Ausbaurichtungen, die diese Neuausrichtung operativ umsetzen:
Stationärer Bereich
Weiterhin das Rückgrat der Versorgung, aber mit klarem Portfolio-Fokus und Konsolidierung über Standortgrenzen hinweg.
Ambulanter Bereich
Systematischer Ausbau, um die Sektortrennung zu überwinden und den Versorgungspfad des Patienten durchgängig zu gestalten.
Prävention
Aufbau eines eigenständigen Präventionsbereichs – ein Marktsegment, das kaum ein anderer kommunaler Klinikverbund strategisch besetzt.
B2B-Dienstleistungen
Hygieneberatung und mikrobiologische Telemedizin für andere Kliniken – die Verbundgröße wird zum eigenständigen Umsatzträger.
Diese Diversifikation reduziert die Abhängigkeit von der reinen DRG-Vergütung und macht den Verbund resilient gegen Reformschocks, wie sie das GKV-Sparpaket und das KHAG 2026 aktuell auslösen. Wer die eigene Umsatzstruktur so aufstellt, dass er auch bei gedeckelter stationärer Vergütung neue Erlösquellen erschließen kann, hat einen strategischen Puffer, den Einzelhäuser nicht aufbauen können.
6. Ökonomische Steuerung im Verbund: Warum die schwarze Null keine Ideologie ist
Bemerkenswert ist auch, wie Prof. Martin die Debatte um marktwirtschaftliche Orientierung im Krankenhaus positioniert. Er weicht der Frage nicht aus – im Gegenteil, er trifft eine ethische Grundsatzaussage, die vielen im Gesundheitswesen unbequem sein dürfte:
„Ein sparsamer Umgang mit den wenigen Ressourcen, die wir haben, ist ethisch. Alles andere ist unethisch. Ich glaube, ein Krankenhaus muss auch in öffentlicher Hand zumindest eine schwarze Null produzieren können. Und das wird es in Zukunft nur noch wirklich in größeren Verbünden oder Großkrankenhäusern hinbekommen."
— Prof. Dr. Jörg Martin
Dieses Statement ist der eigentliche strategische Kern des Gesprächs. Denn Martin verknüpft hier zwei Argumentationsstränge, die in der öffentlichen Debatte häufig getrennt geführt werden: die Frage nach der ökonomischen Verantwortung und die Frage nach der Verbundstruktur. Beide gehören zusammen – die schwarze Null ist im heutigen Marktumfeld strukturell nur noch in Verbünden oder Großkrankenhäusern erreichbar. Wer als kommunaler Träger weiterhin auf Einzelhausstruktur setzt, akzeptiert damit implizit dauerhafte Defizite oder Insolvenzrisiken.
Das gilt umso mehr in einem Marktumfeld, in dem der wirtschaftliche Druck durch das GKV-Sparpaket noch einmal deutlich verschärft wird. Die Reflexbewegung vieler kommunaler Häuser – Sparstift, Budgetdeckelung, Vakanz aussitzen – ist in einem Einzelhausmodell die einzig verbleibende Option. Im Verbund lassen sich dagegen strategische Portfolioentscheidungen treffen, die den Kostendruck nicht linear abbilden, sondern strukturell abfedern.
In akuten Sanierungssituationen kann ein strategisch aufgesetztes Interim Management die Übergangsphase in ein neues Verbundmodell begleiten – politisch unabhängig, mit klarem Mandat und ohne die lokalen Rücksichten, die einer dauerhaft besetzten Geschäftsführung die Handlungsfähigkeit nehmen würden.
Fazit: Der Verbund ist keine Option mehr, sondern eine Entscheidung
Prof. Martins Analyse aus dem Klinikum Ludwigsburg liefert für Aufsichtsräte und kommunale Träger eine unbequeme Klarheit: Die strategischen Herausforderungen der nächsten zehn Jahre – Personalakquise, Digitalisierung, ökonomische Steuerung, Reformdruck – lassen sich in Einzelhausstrukturen nicht mehr bewältigen. Der Verbund ist keine strategische Option unter mehreren. Er ist die einzige tragfähige Antwort auf einen Markt, der sich strukturell neu sortiert.
Wer diese Analyse ernst nimmt, kommt zu drei operativen Konsequenzen. Erstens: Kommunale Träger müssen jetzt entscheiden, ob sie proaktiv in einen Verbund eintreten oder unter Zeitdruck bei sinkendem Verhandlungsspielraum gezwungen werden. Zweitens: Die Führungspositionen in bestehenden Verbünden erfordern ein Profil, das kaum ein klassisches Ausschreibungsverfahren zuverlässig identifiziert – die Kombination aus medizinischer Sprachfähigkeit, betriebswirtschaftlicher Härte und politischer Kommunikationskompetenz. Drittens: Die Investitionen in Digitalisierung, Personalstrategie und Verbundstrukturen müssen jetzt getroffen werden, während Fördermittel wie aus dem Krankenhauszukunftsgesetz noch abgerufen werden können.
Die RKH zeigt, was möglich ist. Die Frage ist nicht, ob dieses Modell sich verbreitet. Die Frage ist, wer die nächsten fünf Jahre nutzt, um dabei zu sein – und wer den Anschluss verliert.
Steht bei Ihrem Haus die strategische Entscheidung zum Verbundeintritt oder eine Schlüsselbesetzung im bestehenden Klinikverbund an?
Wir begleiten Aufsichtsräte, kommunale Träger und Klinikvorstände bei der Suche nach den Führungspersönlichkeiten, die diese strategische Neuausrichtung tatsächlich gestalten können – vertraulich, diagnostisch abgesichert und mit klarer Mandatsklärung im Vorfeld.
Häufige Fragen zum Krankenhausmanagement im Klinikverbund
Quelle: Dieser Artikel basiert auf dem zweiten Teil der Podcast-Folge mit Prof. Dr. Jörg Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der RKH Gesundheit, aus der Reihe Bauernfeind Inside Healthcare. Der erste Teil des Gesprächs behandelt Pandemie, Impfen und gesundheitspolitische Grundsatzfragen. Beide Folgen auf Spotify anhören →
Frank Bauernfeind
Geschäftsführer, Bauernfeind Consulting | Personalberatung im Gesundheitswesen
Frank Bauernfeind begleitet Aufsichtsräte, kommunale Träger und Klinikvorstände bei Executive Search und Interim Management im Krankenhaussektor. Im Podcast „Bauernfeind Inside Healthcare" spricht er regelmäßig mit Vorständen, Verbundmanagern und Vordenkern der Branche über die strategischen Weichenstellungen, die kommunale Kliniken in einem sich neu sortierenden Markt heute treffen müssen.